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17.04.2009 Marstallcenter empfehlenswert
  Fakten zum Einzelhandel300 Erwerbstätige mehr pendeln aus Greiz aus, als jene, die ihren Arbeitsort Greiz täglich ansteuern. 3085 Personen pendeln nach Greiz ein.

311 Einzelhandelsbetriebe mit 38480 Quadratmetern Verkaufsfläche gab es 1995. Das waren 1,3 Quadratmeter pro Einwohner. 2008 sind es 2 Quadratmeter pro Einwohner - 256 Betriebe und 46460 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Allein 110 Einzelhandelsbetriebe werden aktuell in der Altstadt geführt.Experten der Handelsberatung BBE sehen Potenzial in Greizer Handelslandschaft
Von Kathrin Schulz Greiz. Als Magnet und Ergänzung des Branchenmixes in der Greizer Innenstadt sei ein Marstallcenter mit verschiedenen Fachmärkten und insgesamt rund 4200 Quadratmetern Verkaufsfläche durchaus empfehlenswert. So lautet eine der Schlussfolgerungen der Experten der Erfurter Handelsberatung BBE im jetzt vorgelegten Entwurf des aktuellen Einzelhandelskonzeptes für Greiz. Mathias Vicek aus Erfurt stellte den Entwurf Mittwochabend im Greizer Rathaussaal auf einer leider nur spärlich besuchten Bürgerversammlung vor. Er sieht anhand der umfangreichen statistischen Erhebungen und der Untersuchungen in Greiz durchaus Potenzial in der Greizer Handelslandschaft.
Die Kaufkraft, das stellt er unumwunden fest, ist "unterdurchschnittlich in Greiz". Während sich Jena und Erfurt bei 91 Prozent einpegeln, Gera bei 86 und Zeulenroda-Triebes gar bei 84,1 Prozent liegen, konstatiert der Experte in Greiz 83,6 Prozent und damit einen Wert, der wesentlich unter dem Thüringendurchschnitt von 87,4 Prozent liegt.

Konkret heißt das für Greiz ( mit 22900 Bewohnern) und das untersuchte Umfeld - ein Einzugsgebiet, in dem rund 41 500 Menschen leben, dass das Marktvolumen für alle Handelssortimente aktuell bei 195 Millionen Euro liegt. Bei dem Einwohnerschwund, der vom statistischen Landesamt bis 2015 eintreten könnte (Greiz noch 20 000 Bewohner), muss beim Marktvolumen mit rund 18 Millionen Euro Schwund für alle Handelsbranchen gerechnet werden. Dann ist der Kuchen, der verteilt werden kann, voraussichtlich nur noch 175,96 Millionen Euro groß.

Die 2007-er Anteile am Marktvolumen teilen sich branchenmäßig so auf, dass auf Lebensmittel mit 75 Millionen Euro logischerweise der Löwenanteil fällt. 15 Millionen Euro werden für Oberbekleidung, 3 Millionen Euro für Schuhe, 10 Millionen Euro für Unterhaltungselektronik und Technikartikel, 10 Millionen Euro für Möbel und 12 Millionen Euro beispielsweise für Baumarktartikel ausgegeben, wie aus der Studie der Erfurter GmbH zu entnehmen ist.

Ermittelt haben die Experten weiter, dass Kaufkraft aus Greiz abfließt, weil die Kunden in anderen Städten oder auf der grünen Wiese einkaufen gehen. Bei Büchern und Schreibwaren, Sportartikeln, Spielwaren, bei Drogerieartikeln und in der Unterhaltungsbranche kann die Kaufkraft hiesiger Konsumenten nicht komplett in Greiz gehalten werden. Auch Oberbekleidung und Schuhe, so befindet Mathias Vicek, kann die Stadt weiter im Angebot vertragen. Weitere Lebensmittelangebote machen aus seiner Sicht nur in der Altstadt noch Sinn. Daher empfiehlt er das Marstallcenter im Handelskonzept zu favorisieren, während der im Stadtentwicklungskonzept aufgenommene neue Einzelhandelsstandort Carolinenstraße 51-53 seinerseits nicht empfohlen wird, weil er der Altstadt mit ihrem Branchenmix schaden könnte. Eine Variante sei ein Umzug schon angesiedelter Anbieter an diesen Standort.

Für das Marstallcenter schlägt Vicek zwei Ausstattungsvarianten vor - Lebensmittel-Supermarkt mit 1400 Quadratmetern, Fachmärkte für Drogeriewaren (400 Quadratmeter), Oberbekleidung und Sport-Fachmarkt (je 450) und Unterhaltungselektronik-Fachmarkt (1500). Eine Variante könnte laut Konzept-Entwurf auch ohne Lebensmittel funktionieren - Drogeriewaren (500), Oberbekleidung (1200), Schuhe (550), Sport (450), Unterhaltungselektronik (1500).

Der Entwurf, den Mathias Vicek im Rathaussaal vorstellte, kann im Bauamt bis zum 15. Mai studiert werden. Hinweise und Kritiken dazu sind ausdrücklich erwünscht, wie Bürgermeister Gerd Grüner betont. Das Papier ist ein Entwurf. Das aktuelle Einzelhandelskonzept löst das bisherige Konzept von 1995/96 ab und ist eine Handlungsgrundlage für die Verwaltung, falls sich Investoren und Ansiedlungswillige finden. Das letzte Wort über den Kurs, den dieses Konzept vorgibt, wird der neue Stadtrat haben, der im Juni gewählt wird.

Inwieweit Investoren für ein Marstallcenter da sind, dazu äußerte sich Grüner salomonisch: "Die Investoren, die sich bei uns im vorigen Jahr meldeten, sind durchaus ernst zu nehmen. Doch nunmehr wollen wir Rahmenbedingungen festlegen und müssen Ausschreibungen in dieser Größenordnung mit klaren Forderungen verbinden."

Vicek zeigte sich, was die Investorensuche betrifft, jedenfalls recht optimistisch: "Die Oberzentren sind abgegrast, viele Anbieter wenden sich jetzt auch kleineren Städten zu. Das war vor drei Jahren noch undenkbar."